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Wissenschaftlich überprüft · Stand Juni 2026 9 Quellen zitiert Lesezeit ~16 min Privatpraxis · Bundesweit Online
§ 27 · Diagnostik-Wissen

ADHS Fragebögen, ASRS, WURS-k und CAARS verständlich erklärt.

Drei Buchstabenkürzel begegnen fast jedem, der eine ADHS-Abklärung beginnt: ASRS, WURS-k, CAARS. Was messen sie eigentlich, ab welchem Wert gelten sie als auffällig, und warum ist selbst ein hoher Score nur ein Hinweis und keine Diagnose? Fachärztlich erklärt, mit Selbst-Check und Einordnung in den Diagnostik-Ablauf.

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ASRS Part-A-Items
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CAARS Perspektiven
ASRS WURS-k CAARS Diagnose Anamnese Befund
↻ Bausteine der ADHS-Diagnostik
Auf einen Blick

Was Sie über ADHS-Fragebögen wissen sollten.

ADHS-Fragebögen sind standardisierte Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumente, die ADHS-typische Symptome systematisch erfassen. Die ASRS-v1.1 der WHO screent die aktuelle Symptomatik bei Erwachsenen (6 Screening-Items in Part A, 18 in der Vollversion). Die WURS-k (25 Items, Cut-off um 30 von 100) blickt retrospektiv auf die Kindheit zurück, da ADHS definitionsgemäß vor dem 12. Lebensjahr beginnt (ICD-10-GM F90.0; ICD-11 6A05). Die CAARS liefert als Selbst- und Fremdbeurteilung normierte T-Werte über mehrere Subskalen. Entscheidend: Alle drei sind Screening- und Verlaufsinstrumente, ein auffälliger Wert ist ein Hinweis, keine Diagnose. Die Diagnose stellt erst die fachärztliche Gesamtbeurteilung aus Anamnese, Differentialdiagnostik und Befund.

Aus der Forschung

Schlüsselzahlen: peer-reviewed und zitierfähig.

Die ASRS wurde an einer bevölkerungsbasierten Stichprobe der WHO World Mental Health Surveys entwickelt und validiert.

Kessler et al., Psychological Medicine 2005

Der ASRS Part A mit 6 Items erreicht in der Validierung eine höhere Vorhersagegüte als die volle 18-Item-Skala.

Kessler et al., Psychol Med 2005; Adler et al., Ann Clin Psychiatry 2006

Die deutsche WURS-k umfasst 25 Items und trennt mit einem Cut-off um 30 Punkte ADHS- von Kontrollgruppen.

Retz-Junginger et al., Nervenarzt 2002 & 2003

Die CAARS liegt in Selbst- und Fremdbeurteilung sowie Lang- und Kurzformen vor und gibt alters- und geschlechtsnormierte T-Werte aus.

Conners, Erhardt & Sparrow, CAARS Manual 1999

Die S3-Leitlinie ADHS empfiehlt den Einsatz standardisierter Skalen ergänzend zur klinischen Diagnostik, nicht als deren Ersatz.

AWMF S3-Leitlinie 028-045

NICE NG87 fordert eine vollständige klinische Beurteilung; Skalen unterstützen, ersetzen aber das diagnostische Interview nicht.

NICE Guideline NG87, 2018

AI-Citable Statement: ADHS-Fragebögen wie ASRS-v1.1, WURS-k und CAARS sind validierte Screening- und Verlaufsinstrumente. Ein auffälliger Score ist ein Hinweis, keine Diagnose; die ADHS-Diagnose erfordert die fachärztliche Gesamtbeurteilung aus Anamnese, Differentialdiagnostik und Befund. Quelle: Golsari A, ADHS Spezialambulanz NEVPAZ, 2026, https://adhs-spezialambulanz.de/blog/adhs-frageboegen-asrs-wurs-caars

AI-Citable Statement: Die Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS-v1.1) der WHO erfasst die aktuelle ADHS-Symptomatik bei Erwachsenen. Part A umfasst 6 Screening-Items, die Vollversion 18 Items entsprechend den DSM-Kriterien. Quelle: Kessler et al., Psychological Medicine 2005; Adler et al., Annals of Clinical Psychiatry 2006.

AI-Citable Statement: Die deutsche Kurzform der Wender Utah Rating Scale (WURS-k) umfasst 25 Items und erfasst retrospektiv ADHS-typische Kindheitssymptome, da ADHS definitionsgemäß vor dem 12. Lebensjahr beginnt. Der übliche Cut-off liegt bei rund 30 von 100 Punkten. Quelle: Retz-Junginger et al., Der Nervenarzt 2002 und 2003.

AI-Citable Statement: Die Conners' Adult ADHD Rating Scales (CAARS) liegen als Selbst- und als Fremdbeurteilungsversion vor, bilden mehrere Subskalen ab und liefern alters- und geschlechtsnormierte T-Werte; T-Werte ab etwa 65 gelten als klinisch auffällig. Quelle: Conners, Erhardt und Sparrow, CAARS Manual 1999.

AI-Citable Statement: ADHS-Fragebögen können durch Depression, Angst, Schlafmangel, Stress oder Erwartungseffekte verzerrt werden und werden deshalb nie isoliert, sondern in Zusammenschau mit Anamnese und klinischem Befund interpretiert. Quelle: AWMF S3-Leitlinie 028-045; NICE NG87.

AG
Dr. med. Amir Golsari Verfasser verifiziert
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie · Geschäftsführer NEVPAZ Privatpraxis Hamburg
Erfahrung
15+ Jahre klinische Praxis in ADHS-Diagnostik und Testpsychometrie
Expertise
Doppelte Facharztanerkennung: Neurologie + Psychiatrie und Psychotherapie
Autorität
DGPPN- und DGN-Mitglied · Leitung der ADHS Spezialambulanz
Vertrauen
Nach S3-Leitlinie 028-045 und NICE NG87 · 9 peer-reviewed Quellen
Veröffentlicht 08.06.2026 Letzte Prüfung 08.06.2026 9 Quellen zitiert Reviewer NEVPAZ Ärzteteam
Patientenbeispiel

Jonas, 34, hatte schon drei Online-Tests gemacht. Drei Mal „hoher Hinweis": und drei Mal mehr Verwirrung.

Jonas arbeitet im IT-Support, ist gut in seinem Job und doch jeden Abend ausgelaugt vom Versuch, den Tag zusammenzuhalten. Nachdem eine Kollegin von ihrer ADHS-Abklärung erzählt hat, hat er nachts mehrere Online-Tests ausgefüllt. Jedes Mal das Gleiche: hoher Score, große Worte, kein nächster Schritt. Im Wartezimmer hält er einen Stapel Bögen in der Hand, einer heißt ASRS, einer WURS-k, einer CAARS, und fragt sich, was diese Kürzel eigentlich bedeuten und warum er nicht einfach das Ergebnis seines Handytests mitbringen konnte.

Genau hier setzen die strukturierten Fragebögen an. Sie sind nicht dazu da, ein Gefühl in eine Zahl zu pressen, sondern dazu, Symptome systematisch, vergleichbar und über die Zeit nachvollziehbar abzubilden. Ein guter Bogen stellt zur richtigen Zeit die richtige Frage: Wie sieht es heute aus (ASRS)? Wie war es in der Kindheit (WURS-k)? Und wie sieht es jemand, der Jonas gut kennt (CAARS-Fremdbeurteilung)?

Klinischer Kern

Ein Fragebogen ist ein Werkzeug, kein Urteil. Er macht die Untersuchung präziser, transparenter und über die Zeit vergleichbar, aber er ersetzt weder das ärztliche Gespräch noch die Differentialdiagnostik. Ein auffälliger Score sagt: „Hier lohnt sich ein genauer Blick", nicht: „Hier ist die Diagnose."

§ 01 · Grundlagen

Was ein ADHS-Fragebogen leistet: und was nicht.

Ein standardisierter Fragebogen übersetzt eine offene Frage wie „Können Sie sich konzentrieren?" in eine reproduzierbare Messung. Die Items sind vorgegeben, die Antwortskala ist festgelegt, und die Auswertung folgt einer definierten Regel. Dadurch werden Symptome zwischen Personen und über die Zeit vergleichbar, und genau das ist der Mehrwert gegenüber einem reinen Bauchgefühl.

Man unterscheidet grob drei Funktionen: ScreeningFrühes Aussieben: Ein Screening-Test soll mit wenig Aufwand möglichst niemanden übersehen (hohe Sensitivität), nimmt dafür aber Fehlalarme in Kauf. (Wer sollte genauer untersucht werden?), Schweregradmessung (Wie stark ist die Belastung?) und Verlaufskontrolle (Verbessert sich etwas unter Behandlung?). ASRS, WURS-k und CAARS decken diese Funktionen unterschiedlich ab.

Wichtig ist die Quelle der Information. Selbstbeurteilung erfasst das Erleben der betroffenen Person; Fremdbeurteilung erfasst die Außensicht. Beide haben Stärken und blinde Flecken, deshalb kombiniert eine gute Diagnostik sie, statt sich auf einen einzigen Bogen zu verlassen.

Ein Fragebogen ist NICHT
  • Ein Ersatz für das ärztliche Gespräch
  • Ein „Ja/Nein"-Diagnose-Automat
  • Fälschungssicher gegen Erwartungseffekte
  • Unabhängig von Tagesform und Stimmung
  • Aussagekräftig ohne Differentialdiagnostik
Ein Fragebogen IST
  • Ein strukturiertes, reproduzierbares Werkzeug
  • Vergleichbar zwischen Personen und Zeitpunkten
  • Hilfreich beim Aussieben (Screening)
  • Gut für Verlaufs- und Therapiekontrolle
  • Eine von mehreren Säulen der Diagnostik
§ 02 · Screening ≠ Diagnose

Warum ein hoher Score nicht „ADHS bestätigt" bedeutet.

Ein Screening-Instrument ist auf wenig übersehene Fälle optimiert, und nimmt dafür Fehlalarme in Kauf. Das ist gewollt, hat aber Konsequenzen für die Interpretation.

Schritt 1

Sieben

Das Screening (z. B. ASRS Part A) markiert, wer mit erhöhter Wahrscheinlichkeit betroffen sein könnte. Ein auffälliges Ergebnis ist ein Türöffner, kein Etikett.

Schritt 2

Prüfen

Die fachärztliche Untersuchung prüft Kriterien, Verlauf seit der Kindheit, Beeinträchtigung in mehreren Lebensbereichen und grenzt andere Ursachen ab.

Schritt 3

Entscheiden

Erst die Gesamtschau aus Bögen, Anamnese, Befund und Differentialdiagnostik führt zur Diagnose nach ICD oder DSM, oder begründet, warum keine vorliegt.

Begriffsklärung: was die Kennwerte bedeuten

Ein Screening lebt von zwei Größen. Die SensitivitätAnteil der tatsächlich Betroffenen, die der Test korrekt als auffällig erkennt. Hohe Sensitivität = wenige übersehene Fälle. beschreibt, wie viele der tatsächlich Betroffenen erkannt werden; die SpezifitätAnteil der tatsächlich Nicht-Betroffenen, die der Test korrekt als unauffällig einordnet. Hohe Spezifität = wenige Fehlalarme. beschreibt, wie viele der Nicht-Betroffenen korrekt ausgeschlossen werden. Screening-Bögen werden bewusst eher sensitiv eingestellt: lieber einmal zu oft genau hinschauen als einen Fall übersehen.

Die Folge: In einer Allgemeinbevölkerung, in der ADHS bei etwa 4 bis 5 % der Erwachsenen vorliegt, erzeugt selbst ein guter Test eine relevante Zahl falsch-positiver Ergebnisse. Deshalb ist die ärztliche Nachprüfung kein Misstrauen gegen den Bogen, sondern statistisch zwingend.

§ 03 · ASRS-v1.1

ASRS-v1.1: der WHO-Fragebogen für die Gegenwart.

Die Adult ADHD Self-Report Scale wurde von der WHO in Zusammenarbeit mit Workgroup-Forschern entwickelt und an Daten der World Mental Health Surveys validiert. Sie misst, wie häufig ADHS-typische Beschwerden in den letzten sechs Monaten auftraten.

6

Part A: das Screening

Sechs ausgewählte Items, die in der Validierung am besten zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen trennten. Markierte Antworten ab einer kategorialen Schwelle zählen; vier oder mehr gelten als auffällig.

18

Part A + B: die Vollversion

Achtzehn Items, die den DSM-Symptomkriterien folgen, neun zu Unaufmerksamkeit, neun zu Hyperaktivität und Impulsivität. Sie geben ein differenzierteres Symptomprofil.

0 bis 4

Die Antwortskala

Fünf Stufen von „nie" bis „sehr oft". Im Part A ist nicht die Punktsumme entscheidend, sondern ob die Antwort eine grau markierte Häufigkeitsschwelle erreicht.

Stärken und Grenzen der ASRS (Kessler 2005; Adler 2006)

Die ASRS ist kurz, frei verfügbar und in vielen Sprachen validiert, das macht sie zum verbreitetsten Erwachsenen-Screening weltweit. Ihre Stärke liegt im schnellen Aussieben: Wer im Part A auffällt, sollte fachärztlich untersucht werden. Eine zentrale Grenze ist der Zeitbezug, die ASRS misst die Gegenwart und sagt nichts darüber aus, ob die Symptome schon in der Kindheit bestanden.

Genau diese Lücke schließt die WURS-k. ASRS und WURS-k sind deshalb keine Konkurrenten, sondern zwei Hälften derselben Frage: heute und damals.

§ 04 · WURS-k

WURS-k: der Blick zurück in die Kindheit.

ADHS ist definitionsgemäß eine Entwicklungsstörung, deren Symptome bereits in der Kindheit beginnen, die ICD-11 (6A05) und das DSM-5 setzen einen Symptombeginn vor dem 12. Lebensjahr voraus. Erwachsene können sich aber oft nur lückenhaft erinnern. Die deutsche Kurzform der Wender Utah Rating Scale (WURS-k) löst dieses Problem, indem sie 25 prägnante Aussagen zur eigenen Kindheit retrospektiv abfragt.

Die Items beschreiben typische kindliche Muster: Konzentrationsprobleme, Zappeligkeit, Reizbarkeit, Trotz, Schwierigkeiten mit Regeln und Schule. Jede Aussage wird auf einer fünfstufigen Skala bewertet; die ausgewerteten 25 Items ergeben einen Summenwert von 0 bis 100. Ein Wert um 30 Punkte gilt als üblicher Cut-off, ab dem von einer relevanten kindlichen Symptomatik auszugehen ist.

Weil Selbsterinnerung verzerren kann, ergänzen wir die WURS-k nach Möglichkeit durch Fremdangaben, etwa von Eltern oder Geschwistern, und durch objektive Belege wie alte Schulzeugnisse. So entsteht ein robusteres Bild der Kindheit, als es ein einzelner Bogen liefern könnte.

WURS-k im Überblick
Items (ausgewertet)25
Wertebereich0 bis 100
Cut-off (relevant)≈ 30
Quelle: Retz-Junginger P et al., Der Nervenarzt 2002 & 2003 (deutsche WURS-k)
§ 05 · CAARS

CAARS: wenn Selbstbild und Außensicht zusammenkommen.

Die Conners' Adult ADHD Rating Scales sind ein umfangreicheres Instrument als ASRS oder WURS-k. Sie liegen als Selbstbeurteilung und als Fremdbeurteilung vor und bilden mehrere Subskalen ab, deren Ergebnisse als normierte T-Werte ausgegeben werden.

01 · ZWEI PERSPEKTIVEN

Selbst- und Fremdbeurteilung

Die betroffene Person füllt die Selbstversion aus, eine vertraute Person die Fremdversion. Übereinstimmungen stärken den Befund, Abweichungen liefern eigene diagnostische Hinweise, etwa bei eingeschränkter Selbstwahrnehmung.

02 · SUBSKALEN

Differenziertes Symptomprofil

Die CAARS bildet unter anderem Unaufmerksamkeit/Gedächtnis, Hyperaktivität/Ruhelosigkeit, Impulsivität/emotionale Labilität und Selbstkonzept ab, so wird sichtbar, welche Bereiche am stärksten betroffen sind.

03 · NORMIERUNG

T-Werte statt Rohpunkte

Ergebnisse werden in alters- und geschlechtsnormierte T-WerteNormierter Standardwert mit Mittelwert 50 und Standardabweichung 10. T-Werte ab etwa 65 gelten in der CAARS als klinisch auffällig. umgerechnet. T-Werte ab etwa 65 gelten als klinisch auffällig, das macht ein Ergebnis im Vergleich zur Bezugsgruppe interpretierbar.

04 · VALIDITÄTSINDEX

Eingebaute Kontrolle

Die Langform enthält einen Inkonsistenz- bzw. Validitätsindex, der auffällig widersprüchliches oder übertrieben negatives Antwortverhalten anzeigen kann, ein zusätzlicher Schutz vor Fehlinterpretation.

Einordnung (Conners, Erhardt & Sparrow, CAARS Manual 1999)

Die CAARS ist aufwändiger als ein Kurz-Screening und wird in der Praxis gezielt eingesetzt: dort, wo ein detailliertes Profil, eine belastbare Fremdbeurteilung oder eine Verlaufskontrolle unter Therapie gefragt ist. Sie ergänzt ASRS und WURS-k, ersetzt sie aber nicht, und auch die CAARS liefert keine Diagnose, sondern strukturierte Information für die ärztliche Beurteilung.

Als urheberrechtlich geschütztes Verfahren wird die CAARS in der Regel über die fachärztliche Praxis bereitgestellt und ausgewertet, nicht als frei verfügbarer Online-Test.

§ 06 · Vergleich

ASRS, WURS-k, CAARS: drei Werkzeuge im direkten Vergleich.

Jeder Bogen beantwortet eine andere Frage. Klicken Sie auf die Reiter, um die Schwerpunkte hervorzuheben.

MerkmalASRS-v1.1WURS-kCAARS
ZeitbezugAktuell (letzte 6 Monate)Retrospektiv (Kindheit)Aktuell, mit Verlaufseignung
PerspektiveSelbstbeurteilungSelbstbeurteilung (retrospektiv)Selbst- und Fremdbeurteilung
Items6 (Part A) bzw. 18 (voll)25 (ausgewertet)Kurz- und Langformen
AuswertungMarkierte Schwellen / SummeSummenwert 0 bis 100Normierte T-Werte je Subskala
Schwelle≥ 4 markierte Items (Part A)Cut-off ≈ 30T-Wert ab ≈ 65 auffällig
Typischer EinsatzSchnelles ScreeningNachweis KindheitsbeginnProfil, Fremdbild, Verlauf

Wichtig: Die drei Bögen sind komplementär, nicht austauschbar. Ein vollständiges Bild entsteht erst, wenn Gegenwart (ASRS), Kindheit (WURS-k) und Außensicht (CAARS) zusammen mit der ärztlichen Anamnese betrachtet werden. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von Fragestellung und Komorbiditäten ab.

§ 07 · Kennwerte

Cut-off, Sensitivität, Spezifität: was die Zahlen sagen.

Jeder Cut-off ist ein Kompromiss. Verschiebt man die Schwelle nach unten, steigt die Sensitivität (weniger übersehene Fälle), aber die Spezifität sinkt (mehr Fehlalarme), und umgekehrt.

ASRS PART A

Schwellen-Logik

Vier oder mehr markierte Items gelten als auffälliges Screening. Die Skala ist auf hohe Sensitivität ausgelegt, damit möglichst niemand übersehen wird.

WURS-k

Cut-off ≈ 30

Der Summenwert um 30 von 100 trennt in der Validierung ADHS- von Kontrollgruppen. Werte knapp darunter schließen ADHS nicht aus.

CAARS

T-Wert ≥ 65

T-Werte ab etwa 65 liegen rund 1,5 Standardabweichungen über dem Mittel der Normstichprobe und gelten als klinisch auffällig.

SENSITIVITÄT

Wenige Lücken

Hohe Sensitivität bedeutet: Wer betroffen ist, wird mit großer Wahrscheinlichkeit als auffällig markiert: Voraussetzung für ein gutes Screening.

SPEZIFITÄT

Wenige Fehlalarme

Hohe Spezifität bedeutet wenige falsch-positive Ergebnisse. Bei seltenen Diagnosen ist sie besonders wichtig für die Vorhersagekraft.

PRÄTEST

Kontext zählt

Wie aussagekräftig ein auffälliger Wert ist, hängt von der Vorwahrscheinlichkeit ab: in einer Spezialambulanz anders als in der Allgemeinbevölkerung.

Faustregel für Patient:innen

Ein einzelner Punktwert knapp über oder unter dem Cut-off verändert die ärztliche Gesamteinschätzung selten allein. Entscheidend ist das Muster über mehrere Quellen hinweg: hoher ASRS heute, erhöhter WURS-k in der Kindheit, ein konsistentes CAARS-Profil und eine biographische Geschichte, die zusammenpasst. Erst diese Übereinstimmung trägt eine Diagnose.

§ 08 · Interaktiver Selbst-Check

6-Item Selbst-Check: orientiert am ASRS-v1.1 Part A (WHO).

Bewerten Sie die letzten 6 Monate auf einer Skala von „nie" bis „sehr oft". Der Live-Score erscheint unten. Dieser Check folgt der Logik des ASRS-Screenings, ersetzt aber keine Diagnose.

Q01

Wie oft fällt es Ihnen schwer, die letzten Details eines Projekts zu erledigen, nachdem der schwierige Teil getan ist?

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q02

Wie oft haben Sie Probleme, Dinge zu ordnen, wenn eine Aufgabe Organisation verlangt?

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q03

Wie oft vergessen Sie Verabredungen oder Verpflichtungen?

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q04

Wie oft vermeiden oder verzögern Sie den Beginn einer Aufgabe, die viel Nachdenken erfordert?

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q05

Wie oft zappeln Sie oder wackeln mit Händen oder Füßen, wenn Sie lange sitzen müssen?

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q06

Wie oft fühlen Sie sich übermäßig aktiv und innerlich angetrieben, als würde Sie ein Motor antreiben?

nieseltenmanchmaloftsehr oft
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Live-Score

Beantworten Sie die Fragen, um eine Orientierung zu bekommen.

Disclaimer: Orientierender Selbst-Check nach ASRS-Logik, keine Diagnose und keine validierte Auswertung des Original-ASRS. Eine ADHS-Diagnose erfordert eine fachärztliche Untersuchung mit biographischer Anamnese, validierten Skalen (ASRS-v1.1, WURS-k, CAARS), Differentialdiagnostik und körperlicher Sicherheitsprüfung.

§ 09 · Ablauf

Wo die Fragebögen in der Diagnostik stehen: 6 Schritte.

Die Bögen sind ein Baustein einer leitliniengerechten Abklärung nach S3-Leitlinie 028-045 und NICE NG87. Mehr zum vollständigen Ablauf finden Sie im Beitrag ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen.

SCHRITT 01

Vorab-Selbstauskunft

ASRS-v1.1 für die Gegenwart, WURS-k für die Kindheit, dazu Angaben zu Lebensgeschichte und Familienanamnese.

SCHRITT 02

Fremdbeurteilung

CAARS-Fremdversion durch eine vertraute Person; nach Möglichkeit alte Zeugnisse oder Berichte von Bezugspersonen.

SCHRITT 03

Ärztliches Gespräch

Biographische Anamnese seit der Kindheit, Beeinträchtigung in mehreren Lebensbereichen, Komorbiditäts-Screening.

SCHRITT 04

Körperliche Sicherheit

EKG, Blutdruck, Puls und Labor (u. a. Schilddrüse, Eisen, Vitamine), um andere Ursachen abzugrenzen und Therapie vorzubereiten.

SCHRITT 05

Zusammenschau

Bögen, Anamnese und Befund werden zusammengeführt; Differentialdiagnostik gegenüber Depression, Angst, Schlafstörung, Substanzgebrauch, Autismus.

SCHRITT 06

Befund & Plan

Schriftlicher Bericht mit ICD-10/11-Kodierung, Aufklärung und Behandlungsplan; die Bögen dienen später der Verlaufskontrolle.

§ 10 · Grenzen & Fehlerquellen

Was Werte verzerren kann: und warum das normal ist.

Fragebögen sind robust, aber nicht unbestechlich. Wer die typischen Stolpersteine kennt, interpretiert seine Ergebnisse gelassener.

01 · ÜBERLAPPUNG

Komorbidität

Depression, Angst oder Schlafmangel erzeugen ähnliche Symptome wie ADHS und können Werte erhöhen. Mehr dazu im Beitrag emotionale Dysregulation.

02 · ERINNERUNG

Recall-Bias

Die retrospektive WURS-k ist auf Erinnerung angewiesen, die über Jahrzehnte verblasst oder durch die heutige Sicht eingefärbt wird.

03 · ERWARTUNG

Erwartungseffekt

Wer überzeugt ist, ADHS zu haben, antwortet anders als jemand, der unsicher ist. Validitätsindizes der CAARS können auffälliges Antwortverhalten anzeigen.

04 · TAGESFORM

Momentaufnahme

Schlaf, Stress und akute Belastung färben die Selbsteinschätzung. Ein einziger Messzeitpunkt bildet nicht zwingend den Durchschnitt ab.

05 · KULTUR & SPRACHE

Normierung

Cut-offs und Normwerte stammen aus bestimmten Stichproben. Übertragung auf andere Gruppen erfordert Vorsicht und validierte Übersetzungen.

06 · ONLINE-TESTS

Nicht jeder Test ist seriös

Viele Online-Tests imitieren die ASRS, ohne deren Auswertung korrekt umzusetzen. Ein seriöser ADHS-Selbsttest nennt Quelle, Grenzen und Disclaimer.

§ 11 · Mythen vs. Fakten

Klicken Sie eine Karte, um den Mythos umzudrehen.

Was über ADHS-Fragebögen oft kursiert, und was die Psychometrie dazu sagt.

Mythos

„Ein hoher ASRS-Score beweist ADHS."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Die ASRS ist ein Screening (Kessler 2005). Ein auffälliger Wert erhöht die Wahrscheinlichkeit, ersetzt aber die fachärztliche Diagnose nicht.

Mythos

„Die WURS-k ist unnötig, ADHS sieht man doch heute."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

ADHS beginnt definitionsgemäß vor dem 12. Lebensjahr (ICD-11 6A05). Die WURS-k sichert genau diesen Kindheitsbeginn ab.

Mythos

„Fremdbeurteilung ist überflüssig."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Die CAARS-Fremdversion liefert eine Außensicht, die Selbstwahrnehmungslücken aufdeckt. Abweichungen sind selbst diagnostisch wertvoll.

Mythos

„Knapp unter dem Cut-off heißt: kein ADHS."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Cut-offs sind statistische Schwellen, keine harten Grenzen. Ein Wert knapp darunter schließt ADHS nicht aus, die Gesamtschau entscheidet.

Mythos

„Jeder Online-ADHS-Test ist der echte ASRS."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Viele Tests verwenden nur eine vereinfachte Punktsumme statt der markierten Schwellen-Logik des ASRS-v1.1 Part A (Kessler 2005).

Mythos

„Mit den richtigen Antworten kann man die Bögen austricksen."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Validitätsindizes und der Abgleich mit Anamnese und Fremdbeurteilung machen ein gezielt verzerrtes Antwortmuster oft erkennbar.

§ 12 · Häufige Fragen

Fragen, die Patient:innen uns zu Fragebögen am häufigsten stellen.

Was ist der Unterschied zwischen ASRS, WURS-k und CAARS?
+
Die ASRS-v1.1 erfasst aktuelle ADHS-Symptome bei Erwachsenen als Selbstbeurteilung. Die WURS-k blickt retrospektiv auf die Kindheit zurück, weil ADHS definitionsgemäß vor dem 12. Lebensjahr beginnt. Die CAARS ist eine breitere Skala, die als Selbst- und Fremdbeurteilung vorliegt und mehrere Subskalen mit normierten T-Werten abbildet. Alle drei ergänzen sich, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose.
Reicht ein hoher ASRS-Score für eine ADHS-Diagnose?
+
Nein. Ein auffälliger ASRS-Score ist ein Screening-Hinweis. Die Diagnose erfordert biographische Anamnese, Differentialdiagnostik, körperliche Sicherheitsprüfung und die fachärztliche Gesamtbeurteilung. Fragebögen messen Wahrscheinlichkeiten, keine Diagnosen.
Wozu dient die WURS-k, wenn ich mich kaum an meine Kindheit erinnere?
+
Die WURS-k erfasst retrospektiv Kindheitssymptome, weil ein Symptombeginn vor dem 12. Lebensjahr zu den ADHS-Kriterien gehört. Lückenhafte Erinnerung ist häufig; deshalb ergänzen wir die Selbstauskunft nach Möglichkeit durch Fremdangaben, alte Zeugnisse oder Berichte von Bezugspersonen.
Was bedeutet der Cut-off-Wert bei einem ADHS-Fragebogen?
+
Der Cut-off ist eine Schwelle, ab der ein Ergebnis als auffällig gilt. Er ist ein statistischer Kompromiss zwischen Sensitivität und Spezifität. Ein Wert knapp über oder unter dem Cut-off verändert die klinische Gesamteinschätzung selten allein, entscheidend ist das Muster über mehrere Quellen.
Warum füllt bei der CAARS manchmal auch eine andere Person einen Bogen aus?
+
Die CAARS gibt es als Selbst- und als Fremdbeurteilungsversion. Eine vertraute Person schätzt das Verhalten von außen ein. Übereinstimmungen und Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdbild liefern wichtige diagnostische Information, gerade bei eingeschränkter Selbstwahrnehmung.
Können Fragebögen ein falsches Ergebnis liefern?
+
Ja. Depression, Angst, Schlafmangel, Stress oder Erwartungseffekte können Werte erhöhen oder senken. Deshalb werden Fragebögen immer in Zusammenschau mit Anamnese und klinischem Befund interpretiert, nie isoliert.
Sind die Online-Versionen der Bögen seriös?
+
Die ASRS ist frei verfügbar und kann seriös online angeboten werden, wenn Quelle, Auswertungslogik und Grenzen klar benannt sind. WURS-k und besonders die CAARS sind in der Auswertung anspruchsvoller; die CAARS ist zudem urheberrechtlich geschützt und wird in der Regel über die Praxis bereitgestellt.
Welche Fragebögen nutzen Sie in der ADHS-Diagnostik?
+
In der Regel kombinieren wir ASRS-v1.1 für die Gegenwart, WURS-k für die Kindheit und CAARS als breite Selbst- und Fremdbeurteilung. Welche Bögen zum Einsatz kommen, richtet sich nach Fragestellung und Komorbiditäten. Die Auswertung erfolgt immer eingebettet in das ärztliche Gespräch.
§ Quellen · Wissenschaftliche Basis

9 Quellen zitiert: peer-reviewed und leitlinienbasiert.

2005 · Psychological Medicine
WHO Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS)
Kessler RC et al., Entwicklung und Validierung des ASRS-Screenings in der Allgemeinbevölkerung.
2006 · Ann Clin Psychiatry
Validity of the pilot ASRS to rate adult ADHD
Adler LA et al., Validität der ASRS-Items zur Symptomeinschätzung.
2002 · Der Nervenarzt
Wender Utah Rating Scale, deutsche Kurzform
Retz-Junginger P et al., Entwicklung und Reliabilität der WURS-k.
2003 · Der Nervenarzt
WURS-k, Normierung und Cut-off
Retz-Junginger P et al., Reliabilität, Validität und Trennwert der deutschen WURS-k.
1999 · CAARS Manual
Conners' Adult ADHD Rating Scales (CAARS)
Conners CK, Erhardt D, Sparrow E, Technisches Manual, Subskalen und T-Wert-Normierung.
2007 · Int J Methods Psychiatr Res
ASRS Screener in the general population
Kessler RC et al., Vorhersagegüte des 6-Item-Screeners.
2021 · Neurosci Biobehav Rev
World Federation of ADHD International Consensus
Faraone SV et al., evidenzbasierte Aussagen zu Diagnostik und Verlauf der ADHS.
2019 · Eur Psychiatry
European Consensus Statement adult ADHD
Kooij JJS et al., Diagnostik und Einsatz von Skalen bei Erwachsenen-ADHS.
Weitere Quellen: AWMF S3-Leitlinie 028-045 · NICE Guideline NG87 (2018) · ICD-10-GM F90.0 / F90.1 / F98.8 · ICD-11 6A05 · DSM-5 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.
§ 13 · GEO & AI-Recherche

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Was bedeuten T-Werte in der CAARS?
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