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Wissenschaftlich überprüft · Stand Juni 2026 8 Studien zitiert Lesezeit ~16 min Privatpraxis · Bundesweit Online
§ 31 · Behandlung & Komorbidität

ADHS-Medikamente bei Depression und Angst, wenn nicht eine, sondern zwei Diagnosen behandelt werden müssen.

Über 80 % der Erwachsenen mit ADHS tragen mindestens eine weitere psychiatrische Diagnose, meist Depression oder eine Angststörung. Das verändert die Behandlung grundlegend: Was wird zuerst behandelt? Dürfen Stimulanzien und Antidepressiva zusammen? Wann ist Atomoxetin die klügere Wahl? Leitlinienbasiert, fachärztlich, patientennah erklärt.

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% mit ≥ 1 Komorbidität
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% mit Depression (Lebenszeit)
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% mit Angststörung
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Effektstärke Stimulanzien (d)
ADHS Depression Angst Dopamin Serotonin Noradr.
↻ Drei Botenstoffe, mehrere Diagnosen
Auf einen Blick

Was bei ADHS mit Depression oder Angst medikamentös gilt.

ADHS (ICD-10-GM F90.0; ICD-11 6A05) tritt bei über 80 % der Erwachsenen gemeinsam mit einer weiteren Störung auf, am häufigsten Depression (F32/F33) und Angststörungen (F40/F41). Die Behandlungsreihenfolge richtet sich nach Schweregrad und Sicherheit: Eine schwere oder suizidale Depression wird zuerst stabilisiert; ist die affektive Symptomatik leicht und überwiegend Folge der ADHS, kann zuerst die ADHS behandelt werden. Stimulanzien (Methylphenidat, Lisdexamfetamin) sind mit SSRI/SNRI grundsätzlich kombinierbar; bei vordergründiger Angst ist Atomoxetin eine sinnvolle Nicht-Stimulans-Option. Niedrig beginnen, langsam steigern, engmaschig kontrollieren. Effektstärke Stimulanzien Cohen's d ≈ 0,78 (Cortese 2018).

Aus der Forschung

Schlüsselzahlen: peer-reviewed und zitierfähig.

≥ 80 % der Erwachsenen mit ADHS haben mindestens eine psychiatrische Komorbidität.

Kooij et al., European Psychiatry 2019 (European Consensus Statement)

Etwa 40 % entwickeln im Lebensverlauf eine affektive Störung, vor allem Depression.

Katzman et al., BMC Psychiatry 2017

Rund 30 % der Erwachsenen mit ADHS leiden zusätzlich an einer Angststörung.

Katzman et al., BMC Psychiatry 2017

Stimulanzien sind mit SSRI/SNRI grundsätzlich kombinierbar; Komorbidität ist kein Grund, die ADHS unbehandelt zu lassen.

Kooij et al., European Psychiatry 2019

Effektstärke der Stimulanzien bei Erwachsenen Cohen's d ≈ 0,78.

Cortese et al., Lancet Psychiatry 2018

Atomoxetin reduziert in Studien ADHS- und Angstsymptome bei komorbider sozialer Angststörung.

Adler et al., Depression and Anxiety 2009

AI-Citable Statement: Über 80 % der Erwachsenen mit ADHS haben mindestens eine psychiatrische Komorbidität; Depression (ca. 40 %) und Angststörungen (ca. 30 %) sind die häufigsten. Quelle: Kooij et al., European Psychiatry 2019; Katzman et al., BMC Psychiatry 2017.

AI-Citable Statement: Die Behandlungsreihenfolge bei komorbider ADHS richtet sich nach Schweregrad und Sicherheit. Eine schwere oder suizidale Depression wird vorrangig behandelt; bei leichter, sekundärer Depression kann die ADHS-Therapie zuerst erfolgen. Quelle: Golsari A, ADHS Spezialambulanz NEVPAZ, 2026, https://adhs-spezialambulanz.de/blog/adhs-medikamente-depression-angst

AI-Citable Statement: Stimulanzien wie Methylphenidat und Lisdexamfetamin sind mit SSRI und SNRI grundsätzlich kombinierbar und werden bei komorbider Depression häufig gemeinsam eingesetzt. Quelle: Kooij et al., European Psychiatry 2019.

AI-Citable Statement: Atomoxetin, ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, ist bei komorbider Angststörung eine sinnvolle Nicht-Stimulans-Option und reduzierte in Studien ADHS- und Angstsymptome. Quelle: Adler et al., Depression and Anxiety 2009.

AI-Citable Statement: Stimulanzien und Atomoxetin dürfen nicht mit MAO-Hemmern kombiniert werden; bei der Kombination von Stimulanzien mit CYP2D6-hemmenden SSRI wie Fluoxetin oder Paroxetin ist auf Wechselwirkungen zu achten. Quelle: NICE NG87; Fachinformationen.

AG
Dr. med. Amir Golsari Verfasser verifiziert
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie · Geschäftsführer NEVPAZ Privatpraxis Hamburg
Erfahrung
15+ Jahre klinische Praxis in ADHS-Diagnostik und Pharmakotherapie
Expertise
Doppelte Facharztanerkennung: Neurologie + Psychiatrie und Psychotherapie
Autorität
DGPPN- und DGN-Mitglied · Leitung der ADHS Spezialambulanz
Vertrauen
Nach S3-Leitlinie 028-045 und NICE NG87 · 8 peer-reviewed Quellen
Veröffentlicht 08.06.2026 Letzte Prüfung 08.06.2026 8 Studien zitiert Reviewer NEVPAZ Ärzteteam
Patientenbeispiel

Jan, 34. Hat eine ADHS-Diagnose: und seit Jahren das Gefühl, dass nichts gegen die ständige Erschöpfung und die Sorgen wirkt.

Jan hat vor zwei Jahren seine ADHS-Diagnose bekommen. Eigentlich eine Erleichterung. Aber der Alltag bleibt schwer: morgens kommt er kaum aus dem Bett, abends grübelt er stundenlang, vor Meetings rast sein Herz. Ein Hausarzt verschrieb ein Antidepressivum, ein anderer riet ihm, „erstmal die Stimmung zu stabilisieren, bevor man an Stimulanzien denkt". Jan ist verunsichert: Hat er nun ADHS, eine Depression, eine Angststörung, oder alles auf einmal? Und welches Medikament gehört zuerst?

Was Jan erlebt, ist die Regel, nicht die Ausnahme. ADHS kommt selten allein. Die entscheidende Frage ist nicht „entweder ADHS oder Depression", sondern: Wie ordnet man die Behandlung so, dass sich die Störungen nicht gegenseitig im Weg stehen, sondern beide gezielt adressiert werden?

Klinischer Kern

Komorbidität ist kein Grund, die ADHS unbehandelt zu lassen, und keine ADHS-Behandlung darf eine begleitende Depression oder Angststörung übersehen. Beide Bilder werden erfasst, priorisiert und, wo nötig, parallel behandelt. Die medikamentöse Strategie entsteht aus Schweregrad, Sicherheit und dem individuellen Symptommuster, nicht aus einem starren Schema. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung; sie erklärt die Prinzipien.

§ 01 · Grundlagen der Komorbidität

Warum ADHS bei Erwachsenen selten allein auftritt.

Der Begriff KomorbiditätGleichzeitiges Bestehen von zwei oder mehr Störungen bei derselben Person. Bei Erwachsenen-ADHS in über 80 % der Fälle vorhanden (Kooij 2019). beschreibt das gleichzeitige Bestehen mehrerer Diagnosen. Bei der ADHS im Erwachsenenalter ist sie eher die Regel als die Ausnahme: Das europäische Konsensus-Statement geht von mehr als 80 % aus.

Dafür gibt es zwei Erklärungen, die sich nicht ausschließen. Erstens teilen ADHS, Depression und Angststörungen genetische und neurobiologische Risikofaktoren, sie liegen häufig im selben Menschen vor. Zweitens erzeugt eine jahrelang unerkannte ADHS Misserfolge, Selbstzweifel und chronische Überforderung; daraus kann eine sekundäre DepressionDepressive Symptomatik, die überwiegend Folge der chronischen ADHS-bedingten Misserfolge ist und sich unter ADHS-Therapie häufig bessert. oder eine Angstsymptomatik entstehen.

Für die Behandlung ist diese Unterscheidung wichtig: Eine sekundäre, leichte Depression bessert sich oft mit, wenn die ADHS gut eingestellt ist, eine eigenständige, schwere depressive Episode braucht eine eigene, vorrangige Therapie. Mehr zur Abgrenzung im Beitrag ADHS oder Depression und ADHS oder Angststörung.

Zwei Wege zur Komorbidität
  • Gemeinsame genetische und neurobiologische Risikofaktoren
  • Sekundärfolge jahrelanger ADHS-bedingter Überforderung
Was das bedeutet
  • Beide Diagnosen müssen aktiv erfasst werden
  • Behandlung wird priorisiert, nicht halbiert
  • Komorbidität ist behandelbar, gemeinsam
§ 02 · Häufigkeit

Wie häufig sind Depression und Angst bei ADHS?

Die Zahlen aus großen Übersichtsarbeiten sind eindeutig: Wer als Erwachsener eine ADHS hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko für affektive Störungen und Angsterkrankungen.

0%
Mindestens eine Komorbidität

Kooij 2019: Über vier von fünf Erwachsenen mit ADHS haben mindestens eine weitere psychiatrische Diagnose.

0%
Affektive Störung / Depression

Katzman 2017: Etwa 40 % entwickeln im Verlauf eine depressive oder bipolare Störung.

0%
Angststörung

Rund 30 % der Erwachsenen mit ADHS leiden zusätzlich an einer Angststörung.

Geschätzte Lebenszeit-Häufigkeit der wichtigsten Begleitdiagnosen
Depression / affektive Störung~40 %
Angststörungen~30 %
Substanzgebrauchsstörungen~20 %
Schlafstörungenhäufig
Quellen: Kooij et al., Eur Psychiatry 2019 · Katzman et al., BMC Psychiatry 2017. Werte sind gerundete Schätzbereiche aus Übersichtsarbeiten. Mehr zum Thema Sucht: ADHS und Sucht, zu Schlaf: ADHS und Schlafstörungen.
§ 03 · Wechselwirkung der Störungen

Drei Botenstoffe: drei Bilder, die sich überlagern.

ADHS ist überwiegend eine Störung der dopaminergen und noradrenergen Signalübertragung; Depression und Angst sind eng mit Serotonin und ebenfalls Noradrenalin verknüpft. Diese Überschneidung erklärt, warum sich die Bilder mischen, und warum manche Medikamente auf mehrere Symptomgruppen wirken.

DA

Dopamin & ADHS

Reduzierte dopaminerge Signalverarbeitung im Belohnungssystem erklärt Aufschieben, Antriebsschwankungen und Konzentrationsprobleme. Stimulanzien setzen genau hier an.

5HT

Serotonin & Stimmung

Depression und Angststörungen sprechen auf serotonerge Modulation an. SSRI sind hier Erstlinie, sie wirken jedoch nicht spezifisch auf die ADHS-Kernsymptome.

NA

Noradrenalin als Brücke

Noradrenalin verbindet beide Welten: Atomoxetin (selektiver NA-Wiederaufnahmehemmer) und SNRI wirken über diesen Weg auf Aufmerksamkeit und zugleich auf Stimmung und Angst.

Der Teufelskreis, und wie man ihn unterbricht

Unbehandelte ADHS erzeugt Misserfolge, die das Selbstwertgefühl untergraben und Depression und Angst nähren. Diese wiederum verschlechtern Antrieb und Konzentration, und verstärken die ADHS-Symptomatik. Eine wirksame Behandlung setzt deshalb dort an, wo der Kreislauf am stärksten angetrieben wird.

In der Praxis heißt das: zuerst die Störung stabilisieren, die akut am meisten Leid und Risiko erzeugt, und dann die zweite gezielt nachziehen oder parallel mitbehandeln.

§ 04 · Behandlungsreihenfolge

Was wird zuerst behandelt? Drei Szenarien im Vergleich.

Es gibt keine Einheitsregel, aber ein klares Prinzip: Schwere und Sicherheit bestimmen die Reihenfolge. Klicken Sie auf die Reiter, um die Konstellationen zu vergleichen.

AspektSchwere Depression / Angst zuerstADHS überwiegt (sekundäre Symptome)Beide gleichrangig schwer
LeitfrageBesteht akute Gefahr oder schwerer Leidensdruck?Sind Stimmung/Angst Folge der ADHS-Überforderung?Beeinträchtigen beide Bilder stark und eigenständig?
Erster SchrittAffektive Störung stabilisieren (Antidepressivum, Psychotherapie)ADHS-Therapie beginnen (Stimulans oder Atomoxetin)Kombinierter Therapiestart, eng abgestimmt
ADHS-MedikationNach Stabilisierung ergänzenIm Zentrum; sekundäre Symptome oft rückläufigVon Beginn an Teil des Plans
Typische WahlSSRI/SNRI, ggf. später + StimulansMethylphenidat/Lisdexamfetamin, ggf. AtomoxetinStimulans + SSRI/SNRI oder Atomoxetin
CaveADHS nicht aus dem Blick verlierenPersistierende Depression eigenständig behandelnWechselwirkungen, engmaschige Kontrolle

Wichtig: Diese Szenarien sind Orientierung, keine Selbstmedikation. Die konkrete Reihenfolge legt die fachärztliche Untersuchung fest, basierend auf Schweregrad, bisheriger Behandlung, Sicherheit und Ihren Zielen. Orientierung an Kooij et al. 2019 und NICE NG87.

§ 05 · ADHS + Depression

ADHS und Depression: wenn Antrieb und Stimmung zugleich leiden.

Bei leichter bis mittelgradiger, überwiegend sekundärer Depression beginnt man häufig mit der ADHS-Therapie. Stimulanzien verbessern Antrieb, Struktur und Konzentration; oft bessert sich die Stimmung mit, weil die täglichen Misserfolge nachlassen. Reicht das nicht aus oder besteht die Depression eigenständig fort, wird zusätzlich ein SSRISelektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, z. B. Sertralin oder Escitalopram. Erstlinien-Antidepressiva bei Depression und Angststörungen. oder SNRISerotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wie Venlafaxin oder Duloxetin. Wirken auf Depression und Angst, beeinflussen über Noradrenalin auch die Aufmerksamkeit. eingesetzt.

Bei schwerer Depression, insbesondere mit Suizidgedanken, ausgeprägter Antriebslosigkeit oder Hoffnungslosigkeit, gilt die Reihenfolge umgekehrt: Zuerst wird die depressive Episode stabilisiert, bevor eine Stimulanzientherapie ergänzt wird. Sicherheit hat Vorrang.

Eine Sonderrolle spielt Bupropion (ein Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer): Es wirkt antidepressiv und zeigt gewisse Effekte auf ADHS-Symptome, in den Leitlinien jedoch als Zweit- oder Drittlinien-Option, nicht als Erstlinien-ADHS-Medikament. Die Auswahl bleibt eine fachärztliche Einzelfallentscheidung.

Faustregel ADHS + Depression
  • Leicht & sekundär: ADHS zuerst, Stimmung beobachten
  • Persistierend: Stimulans + SSRI/SNRI kombinieren
  • !Schwer / suizidal: Depression zuerst stabilisieren
  • Bupropion: Option bei beiden, aber nicht Erstlinie für ADHS
Bei Suizidgedanken sofort ärztliche bzw. notfallpsychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen.
§ 06 · ADHS + Angststörung

ADHS und Angst: und die Frage, ob Stimulanzien die Angst befeuern.

Viele Betroffene und auch manche Behandelnde fürchten, Stimulanzien könnten eine Angststörung verschlimmern. Das Bild ist differenzierter: Stimulanzien können vorübergehend Anspannung, Herzklopfen oder Unruhe verstärken, vor allem bei zu hoher Anfangsdosis. Bei vielen Patientinnen und Patienten bessert sich die Angst jedoch, sobald die ADHS-bedingte Reizüberflutung und Überforderung nachlassen.

Steht die Angst im Vordergrund, ist AtomoxetinSelektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Nicht-Stimulans zur ADHS-Behandlung, ohne Missbrauchspotenzial, mit günstigem Profil bei komorbider Angst. eine sinnvolle Option: Es wirkt nicht akut anflutend, hat kein Missbrauchspotenzial und reduzierte in Studien zur komorbiden sozialen Angststörung sowohl ADHS- als auch Angstsymptome (Adler et al. 2009). Auch ein SSRI/SNRI gegen die Angst, kombiniert mit einer vorsichtig eindosierten ADHS-Medikation, ist ein etabliertes Vorgehen.

Entscheidend ist die Eindosierung: niedrig starten, langsam steigern, körperliche und psychische Reaktionen engmaschig kontrollieren. So lässt sich erkennen, ob ein Medikament die Angst tatsächlich verstärkt, oder ob die anfängliche Unruhe nur vorübergehend ist. Mehr dazu im Beitrag Atomoxetin bei Erwachsenen-ADHS.

Optionen bei vordergründiger Angst
  • Atomoxetin: wirkt auf ADHS + Angst, kein Anfluten
  • SSRI/SNRI + Stimulans: Angst und ADHS getrennt adressiert
  • Guanfacin: Nicht-Stimulans-Alternative, beruhigender Effekt
  • !Stimulanzien: möglich, aber besonders vorsichtig eindosieren
Quelle: Adler et al., Depression and Anxiety 2009 · Kooij et al., Eur Psychiatry 2019.
§ 07 · Kombinationstherapie

Stimulanzien und Antidepressiva zusammen: geht das?

Kurz: ja, in den allermeisten Fällen. Die Kombination aus einem Stimulans und einem SSRI oder SNRI ist gängige klinische Praxis und in den Konsensus-Statements als sicher und sinnvoll beschrieben, vorausgesetzt, sie wird ärztlich gesteuert.

KOMBINATION 01

Stimulans + SSRI

Methylphenidat oder Lisdexamfetamin plus Sertralin/Escitalopram: Standardkombination bei ADHS mit Depression oder Angst.

KOMBINATION 02

Stimulans + SNRI

Venlafaxin/Duloxetin wirken zusätzlich noradrenerg; sinnvoll bei Depression mit Antriebsdefizit. Blutdruck mitbeachten.

KOMBINATION 03

Atomoxetin (mono)

Bei vordergründiger Angst oft als Monotherapie ausreichend, da es ADHS und Angst zugleich adressiert.

KOMBINATION 04

Atomoxetin + SSRI

Möglich, aber Vorsicht: CYP2D6-Hemmer (z. B. Fluoxetin, Paroxetin) erhöhen den Atomoxetin-Spiegel: Dosis anpassen.

KOMBINATION 05

Bupropion

Antidepressivum mit ADHS-Wirkung; Zweitlinie. Nicht mit MAO-Hemmern, Krampfschwelle beachten.

KOMBINATION 06

+ Psychotherapie

KVT-Module für ADHS, Depression und Angst verstärken die medikamentöse Wirkung: multimodal ist überlegen.

Übersicht zu Wirkstoffklassen: Stimulanzien vs. Nicht-Stimulanzien · ADHS-Medikamente für Erwachsene im Überblick · Nebenwirkungen verstehen.

§ 08 · Orientierender Selbst-Check

Hinweise auf eine begleitende Depression oder Angst.

Bewerten Sie die letzten zwei Wochen auf einer Skala von „nie" bis „sehr oft". Der Live-Score gibt eine Orientierung, ob über die ADHS hinaus eine affektive oder Angstsymptomatik vorliegen könnte. Dieser Check ersetzt keine Diagnose.

Q01

Ich fühle mich niedergeschlagen, leer oder hoffnungslos.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q02

Dinge, die mir früher Freude machten, lassen mich heute kalt.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q03

Ich mache mir übermäßig Sorgen und kann sie schwer abstellen.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q04

Vor bestimmten Situationen verspüre ich starke Anspannung oder Herzklopfen.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q05

Ich vermeide Situationen, die mir Angst machen (z. B. Telefonate, Menschenmengen).

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q06

Mein Schlaf und mein Appetit haben sich deutlich verändert.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q07

Ich fühle mich erschöpft, obwohl ich nichts Anstrengendes getan habe.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q08

Meine Stimmung oder meine Sorgen beeinträchtigen Alltag, Arbeit oder Beziehungen.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
Q09

Diese Beschwerden bestehen unabhängig davon, wie gut meine ADHS gerade eingestellt ist.

nieseltenmanchmaloftsehr oft
0/36
Live-Score

Beantworten Sie die Fragen, um eine Orientierung zu bekommen.

Disclaimer: Orientierender Check, keine Diagnose. Ob neben der ADHS eine behandlungsbedürftige Depression oder Angststörung vorliegt, klärt eine fachärztliche Untersuchung mit Anamnese, validierten Skalen und Differentialdiagnostik. Bei Suizidgedanken bitte umgehend ärztliche oder notfallpsychiatrische Hilfe aufsuchen.

§ 09 · Cave-Punkte & Sicherheit

Worauf bei der Kombinationstherapie besonders zu achten ist.

Die meisten Kombinationen sind sicher, aber einige Punkte gehören in jede sorgfältige Planung. Diese Liste ersetzt nicht die ärztliche Aufklärung.

CAVE 01

MAO-Hemmer

Stimulanzien und Atomoxetin dürfen nicht mit MAO-Hemmern kombiniert werden (Gefahr einer hypertensiven Krise). Karenzzeiten beachten.

CAVE 02

CYP2D6-Wechselwirkung

Fluoxetin und Paroxetin hemmen CYP2D6 und erhöhen den Atomoxetin-Spiegel. Dosis ggf. reduzieren und auf Nebenwirkungen achten.

CAVE 03

Blutdruck & Puls

Stimulanzien, Atomoxetin und SNRI können Blutdruck und Puls erhöhen. Vor und während der Therapie kontrollieren. Mehr: kardiovaskuläre Sicherheit.

CAVE 04

Schlaf & Unruhe

Stimulanzien können den Schlaf stören und Angst kurzfristig verstärken. Einnahmezeitpunkt und Dosis anpassen, Schlafhygiene mitbehandeln.

CAVE 05

Bipolare Störung

Bei bipolarer Komorbidität können sowohl Antidepressiva als auch Stimulanzien Manie auslösen. Stimmungsstabilisierung zuerst, dann vorsichtig vorgehen.

CAVE 06

Substanzgebrauch

Bei aktiver Suchterkrankung Nicht-Stimulanzien bevorzugen oder Stimulanzien retardiert und kontrolliert einsetzen. Sucht parallel behandeln.

§ 10 · Leitlinienempfehlung

Was S3-Leitlinie, NICE und das europäische Konsensus-Statement sagen.

Die zentrale Botschaft der Leitlinien ist erstaunlich einig: Komorbidität ist kein Grund, die ADHS nicht zu behandeln, beide Bilder werden erfasst und nach Schweregrad priorisiert.

PRINZIP 01

Beide Diagnosen erfassen

Jede ADHS-Diagnostik schließt ein Komorbiditäts-Screening auf Depression, Angst, Substanzgebrauch und bipolare Störung ein (Kooij 2019).

PRINZIP 02

Nach Schweregrad priorisieren

Die schwerere bzw. sicherheitsrelevantere Störung wird zuerst behandelt; die zweite folgt oder läuft parallel (NICE NG87).

PRINZIP 03

Kombination ist erlaubt

Stimulanzien mit SSRI/SNRI sind grundsätzlich kombinierbar; die Konsensus-Statements bewerten dies als sicher und sinnvoll.

PRINZIP 04

Nicht-Stimulanzien gezielt

Atomoxetin und Guanfacin sind Optionen, wenn Angst, Suchtrisiko oder Tics gegen Stimulanzien sprechen (S3-Leitlinie 028-045).

PRINZIP 05

Multimodal behandeln

Pharmakotherapie wird mit Psychoedukation und Psychotherapie kombiniert: gerade bei Komorbidität überlegen.

PRINZIP 06

Verlauf kontrollieren

Wirkung, Stimmung, Sicherheit und Lebensqualität werden regelmäßig überprüft und die Therapie angepasst.

Grundlagen: AWMF S3-Leitlinie 028-045 (ADHS) · NICE NG87 (Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management) · Kooij et al., European Psychiatry 2019.
§ 11 · Mythen vs. Fakten

Klicken Sie eine Karte, um den Mythos umzudrehen.

Was im Netz über ADHS-Medikamente bei Komorbidität oft behauptet wird, und was die Evidenz sagt.

Mythos

„Bei Depression darf man keine ADHS-Medikamente nehmen."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Stimulanzien sind mit Antidepressiva kombinierbar. Oft bessert eine gut behandelte ADHS sogar die sekundäre Depression (Kooij 2019).

Mythos

„Stimulanzien lösen immer Angst aus."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Unruhe ist meist dosis- und anfangsabhängig. Viele erleben weniger Angst, wenn die ADHS-Überforderung nachlässt, vorsichtige Eindosierung entscheidet.

Mythos

„Ein Antidepressivum behandelt die ADHS gleich mit."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

SSRI wirken nicht spezifisch auf die ADHS-Kernsymptome. Eine eigene ADHS-Therapie bleibt meist nötig (Cortese 2018).

Mythos

„Man muss erst jahrelang die Depression behandeln, bevor ADHS drankommt."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Nur eine schwere Episode wird vorrangig stabilisiert. Bei leichter, sekundärer Depression kann die ADHS-Therapie früh beginnen.

Mythos

„Atomoxetin wirkt nur schwach, das lohnt sich nicht."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Atomoxetin ist wirksam und bei komorbider Angst besonders geeignet, es adressiert ADHS und Angst und hat kein Missbrauchspotenzial (Adler 2009).

Mythos

„Wer ADHS und Depression hat, ist medikamentös austherapiert."

→ Klicken zum Umdrehen
Fakt

Komorbidität ist gut behandelbar. Mit abgestimmter Kombination und Psychotherapie lassen sich beide Bilder deutlich bessern.

§ 12 · Häufige Fragen

Fragen, die Patient:innen uns am häufigsten stellen.

Was wird zuerst behandelt, die ADHS oder die Depression?
+
Das richtet sich nach Schweregrad und Sicherheit. Eine schwere Depression mit Suizidalität wird vorrangig stabilisiert. Sind Depression oder Angst leicht bis mittelgradig und überwiegend Folge der ADHS, kann die ADHS zuerst behandelt werden, sekundäre Symptome bessern sich oft mit. Bei gleichrangig schweren Störungen wird kombiniert. Die Entscheidung trifft die fachärztliche Untersuchung.
Darf man ein Stimulans und ein Antidepressivum gleichzeitig einnehmen?
+
Ja. Methylphenidat oder Lisdexamfetamin sind mit SSRI und SNRI grundsätzlich kombinierbar und werden in der Praxis häufig gemeinsam eingesetzt. Wichtig sind eine ärztliche Steuerung, eine langsame Eindosierung und die Beachtung von Wechselwirkungen, etwa beim CYP2D6-Stoffwechsel. Nicht kombiniert werden dürfen Stimulanzien mit MAO-Hemmern.
Verstärken ADHS-Stimulanzien eine Angststörung?
+
Stimulanzien können Anspannung, Herzklopfen oder Unruhe vorübergehend verstärken, besonders bei zu hoher Anfangsdosis. Bei vielen Betroffenen bessert sich die Angst jedoch, wenn die ADHS-bedingte Überforderung nachlässt. Eine niedrige Startdosis und engmaschige Kontrolle sind entscheidend; bei vordergründiger Angst ist Atomoxetin häufig die bessere Wahl.
Ist Atomoxetin bei komorbider Angst besser als ein Stimulans?
+
Atomoxetin ist eine sinnvolle Option bei vordergründiger Angststörung, da es ADHS- und Angstsymptome adressieren kann, nicht anflutet und kein Missbrauchspotenzial hat. In Studien zur komorbiden sozialen Angststörung reduzierte es beide Symptomgruppen. Ob Atomoxetin oder ein Stimulans bevorzugt wird, entscheidet die fachärztliche Abwägung im Einzelfall.
Können Antidepressiva allein die ADHS mitbehandeln?
+
SSRI wirken nicht spezifisch auf die ADHS-Kernsymptome. Bupropion und in zweiter Linie SNRI haben gewisse Effekte auf Aufmerksamkeit und Antrieb, gelten aber nicht als Erstlinien-ADHS-Medikamente. Eine spezifische ADHS-Therapie mit Stimulanzien oder Atomoxetin bleibt in den meisten Fällen erforderlich.
Worauf muss ich bei der Kombination besonders achten?
+
Auf Blutdruck und Puls, auf Schlaf und Appetit, auf Stimmungsschwankungen sowie auf Frühwarnzeichen wie ausgeprägte Unruhe. Geben Sie alle Medikamente an, auch pflanzliche Präparate. Bei MAO-Hemmern sind Stimulanzien und Atomoxetin kontraindiziert; CYP2D6-hemmende SSRI können den Atomoxetin-Spiegel erhöhen.
Bessert sich meine Depression, wenn die ADHS behandelt ist?
+
Wenn die depressive Symptomatik überwiegend Folge der chronischen ADHS-Überforderung ist (sekundäre Depression), bessert sie sich unter guter ADHS-Einstellung häufig deutlich. Besteht eine eigenständige depressive Störung, braucht sie eine eigene, gezielte Behandlung. Beides wird im Verlauf beobachtet und angepasst.
Kann ich die Behandlung in Hamburg beginnen, auch wenn ich woanders wohne?
+
Ja. Wir bieten persönliche Termine in Hamburg und begleiten Einstellung und Verlaufskontrollen bundesweit per Videosprechstunde. Vor Beginn einer Stimulanzientherapie ist mindestens ein Präsenztermin (EKG, körperliche Untersuchung) sinnvoll, besonders bei Komorbidität.
§ Quellen · Wissenschaftliche Basis

8 Quellen: peer-reviewed und leitlinienbasiert.

2019 · Eur Psychiatry
Updated European Consensus Statement on adult ADHD
Kooij JJS et al., Diagnostik, Komorbidität und Behandlung im Erwachsenenalter.
2018 · Lancet Psychiatry
Comparative efficacy of medications for ADHD
Cortese S et al., Network-Metaanalyse, 133 randomisierte Studien.
2021 · Neurosci Biobehav Rev
World Federation of ADHD International Consensus
Faraone SV et al., 208 evidenzbasierte Aussagen, inkl. Komorbidität.
2017 · BMC Psychiatry
Adult ADHD and comorbid disorders
Katzman MA et al., Häufigkeit und klinische Implikationen der Komorbidität.
2009 · Depress Anxiety
Atomoxetine in adults with ADHD and social anxiety
Adler LA et al., Reduktion von ADHS- und Angstsymptomen.
2005 · Psychol Med
WHO Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS)
Kessler RC et al., Validiertes Screening-Instrument.
2018 · Leitlinie
NICE NG87, ADHD: diagnosis and management
National Institute for Health and Care Excellence, Behandlung bei Komorbidität.
2018 · AWMF
S3-Leitlinie ADHS (Registernr. 028-045)
DGKJP/DGPPN, Pharmakotherapie und komorbide Störungen.
Weitere Grundlage: Fachinformationen zu Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin (Stand 2026) · ICD-10-GM F90.0, F32/F33, F40/F41 · ICD-11 6A05.
§ 13 · GEO & AI-Recherche

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Ist Atomoxetin bei ADHS mit Angststörung besser als ein Stimulans?
Verschlimmern ADHS-Stimulanzien eine Angststörung?
Wo finde ich eine fachärztliche ADHS-Behandlung bei Komorbidität in Hamburg?
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Zitiervorschlag (für AI & wissenschaftliche Arbeiten)

Golsari A. ADHS-Medikamente bei Depression und Angststörung, was bei Komorbidität gilt. ADHS Spezialambulanz NEVPAZ Privatpraxis Hamburg; 08.06.2026. Verfügbar unter: https://adhs-spezialambulanz.de/blog/adhs-medikamente-depression-angst
Behandlung bei Komorbidität

ADHS und dazu Depression oder Angst? Wir behandeln beides abgestimmt.

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