ADHS-Diagnostik
Kurz erklärt
In der ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen kombinieren Fachärzt:innen typischerweise mehrere standardisierte Instrumente: WURS-k für die rückblickende Kindheits-Symptomatik, ASRS oder CAARS für die aktuellen Symptome und DIVA-5 als strukturiertes diagnostisches Interview. Die konkrete Auswahl orientiert sich an der S3-Leitlinie ADHS und am individuellen Patientenprofil.
Übersicht
| Name | Vollständige Bezeichnung | Was misst er? | Format & Dauer |
|---|---|---|---|
| WURS-k | Wender Utah Rating Scale – Kurzform | ADHS-Symptome rückblickend in der Kindheit | Selbstbeurteilung, 25 Items, ca. 10 Min. |
| ASRS-v1.1 | Adult ADHD Self-Report Scale (WHO) | Aktuelle ADHS-Symptome (Screening + ausführliche Version) | Selbstbeurteilung, 6 + 18 Items, ca. 10 Min. |
| CAARS | Conners Adult ADHD Rating Scales | Aktuelle ADHS-Symptome, Subskalen für Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität | Selbst- und Fremdbeurteilung, lange/kurze Form, 26–66 Items |
| DIVA-5 | Diagnostisches Interview für ADHS bei Erwachsenen (nach DSM-5) | Strukturiertes diagnostisches Interview – Diagnose-Goldstandard | Interview, ca. 60–90 Min., gemeinsam mit Facharzt |
| HASE | Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene | Umfassende Diagnostik-Batterie (Symptome + Lebensgeschichte) | Mehrere Selbstbeurteilungs-Skalen, ca. 30–45 Min. |
Im Detail
Die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen setzt voraus, dass erste Symptome bereits im Kindesalter (vor dem 12. Lebensjahr) bestanden haben. Hier hilft die WURS-k – ein retrospektiver Selbstbeurteilungsbogen, der typische Kindheits-Anzeichen strukturiert erfasst. Idealerweise wird er durch Aussagen von Eltern oder Geschwistern ergänzt.
Für die aktuellen Symptome kommen ASRS (WHO-Selbstbeurteilung) oder CAARS (Conners Adult ADHD Rating Scales) zum Einsatz. Beide erfassen Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität – die CAARS-Lange-Form differenziert noch feiner in Subskalen wie emotionale Labilität oder Selbstwertprobleme.
Das diagnostische Interview DIVA-5 (Diagnostisches Interview für ADHS bei Erwachsenen, nach DSM-5) gilt als Goldstandard. Es führt strukturiert durch alle DSM-5-Kriterien – sowohl für die Kindheit als auch für die Gegenwart – und erfasst die Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche. Dauert ca. 60–90 Minuten und wird gemeinsam mit dem Facharzt durchgeführt.
ADHS tritt häufig zusammen mit Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen auf. Daher werden ergänzend Screening-Instrumente für diese Begleiterkrankungen eingesetzt (z.B. BDI für Depression, BAI für Angst). Erst die Gesamtschau aus ADHS-spezifischen Fragebögen und Differential-Screenings ermöglicht eine fundierte Diagnose.
Praktisch
Rechnen Sie mit insgesamt 30–60 Minuten für die Selbstbeurteilungs-Bögen, die Sie meist vor dem ärztlichen Termin in Ruhe ausfüllen. Suchen Sie sich dafür einen ungestörten Moment.
Die Aussagekraft hängt davon ab, dass Sie offen antworten. Es gibt kein „richtig" oder „falsch" – die Bögen sind ein Werkzeug, um Ihre Symptomatik möglichst genau abzubilden.
Gerade für die Kindheits-Anamnese (WURS-k) ist es wertvoll, wenn Sie Personen befragen können, die Sie damals erlebt haben – Eltern, Geschwister oder alte Zeugnisse können das Bild ergänzen.
Die Auswertung der Fragebögen ist die Grundlage – das ärztliche Gespräch (in der Regel mit DIVA-5) ist der entscheidende Schritt. Erst dort werden Hinweise eingeordnet und die Diagnose fundiert gestellt.
Häufige Fragen
In der deutschsprachigen Praxis werden meist mehrere standardisierte Instrumente kombiniert: WURS-k für die rückblickende Kindheits-Symptomatik, ASRS oder CAARS für die aktuellen Symptome und DIVA-5 als strukturiertes diagnostisches Interview. Die genaue Auswahl richtet sich nach Patientenprofil und nach den Empfehlungen der S3-Leitlinie ADHS.
Screening-Fragebögen (z.B. der 6-Item-Teil der ASRS) geben einen schnellen Hinweis, ob eine ausführliche Abklärung sinnvoll ist – sie ersetzen aber keine Diagnose. Diagnostische Instrumente wie DIVA-5 sind strukturierte Interviews, die in der Auswertung eine fundierte Einschätzung erlauben. Beide haben unterschiedliche Funktionen.
Nein. Online verfügbare Selbsttests können einen ersten Hinweis geben, ersetzen aber keine fachärztliche Diagnostik. Die zuverlässige Diagnose ADHS erfordert standardisierte Verfahren, eine ausführliche Anamnese (auch zur Kindheit) sowie den Ausschluss anderer Ursachen – das geht nur im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung.
Die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen setzt voraus, dass erste Symptome bereits im Kindesalter (vor dem 12. Lebensjahr) bestanden haben. Da Erwachsene das oft nicht mehr genau erinnern, hilft die WURS-k strukturiert dabei, retrospektiv typische Anzeichen zu erfassen. Idealerweise wird sie durch Fremd-Beurteilungen (Eltern, Geschwister) ergänzt.
Die Selbstbeurteilungs-Bögen umfassen je nach Auswahl insgesamt etwa 30 bis 60 Minuten. Sie werden in der Regel vor dem diagnostischen Termin ausgefüllt und sind die Grundlage für das anschließende ärztliche Gespräch (z.B. mit DIVA-5).
Nein. Die Auswertungen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und werden ausschließlich für die Diagnostik verwendet. Eine Weitergabe – etwa an die Krankenkasse oder den Arbeitgeber – erfolgt nur mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung.
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